Nissan Tiida: Weltbürger auf vier Rädern

Kein Auto im wichtigen Golf-Segment, das ist ein Problem in Deutschland. Nissan fehlte genau das, der Crossover Qashqai ist eine eigene Hausmarke, der Note kompakter als der Wolfsburger. Also greifen die Japaner in die Trickkiste und schicken mit dem Tiida einen echten Weltbürger ins Rennen. Der punktet zwar nicht mit extravagantem Design, aber dafür mit reichlich Platz bei überschaubaren Anschaffungskosten. Gebaut wird er in Mexiko, in den USA wird er gar als regelrechtes Billigauto angeboten. Das merkt der Betrachter an harten Plastikoberflächen im Innenraum, ansonsten ist der Tiida ein angenehmer Reisebegleiter.

Im Motoren-Regal stehen ein 1,6-Liter-Benziner mit 110 PS, ein 1,8-Liter-Benziner mit 126 PS und ein 1,5-Liter-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung mit einer  Leistung von 105 PS. Als Testwagen für der stärkere Benziner in der Top-Ausstattung Tekna vor, der mit reichlich Luxus verwöhnt, den Preis aber auf 21.990 Euro treibt. Dann bleiben aber kaum Wünsche offen. Elektrische Helfer sind reichlich an Bord, Teilledersitze ebenfalls oder ein Sechsfach-CD-Wechsler und ein Glasschiebedach. Wer weniger Luxus braucht, greift zum kleineren Benziner und zur Ausstattung Acenta, dann sind knapp 19.000 Euro fällig, Annehmlichkeiten wie eine Klima-Automatik oder vier elektrische Fensterheber sind trotzdem an Bord. Das Cockpit ist übersichtlich, die Bedienung einfach.

Mit gut 4,30 Meter Länge spielt er im oberen Bereich der Kompaktklasse. Bei einem Radstand von 2,60 Meter sollen von diesen üppigen Dimensionen besonders die Fondpassagiere profitieren. Und das ist auch so. Wollen sie im Vollen schwelgen, einfach die Rückbank um 24 Zentimeter nach hinten schieben und die Beinfreiheit wächst auf Oberklasseniveau. Zusätzlich lässt sich die Lehne in der Neigung verstellen. Der Kofferraum schluckt zwischen 300 und 425 Litern, mehr als der Klassenstandard. Leider klappt die Sitzlehne nicht komplett eben weg, außerdem knatterte die labil befestigte Rückbank auf schlechten Straßen.

Der Motor ist immerhin für 195 km/h Spitze gut und benötigt 10,4 Sekunden bis 100 km/h. Theoretisch soll er sich mit 7,8 Liter Super begnügen, realistisch sind neun Liter auf 100 Kilometern. Dafür ist er bis Tempo 160 leise, nicht zuletzt wegen der Sechsgang-Schaltung, auch die Windgeräusche halten sich in Grenzen. Nicht ganz auf der Höhe ist der Tiida beim Fahrwerk. Querfugen sind nicht seine Welt, hier wirkt die Abstimmung etwas hölzern. Trotzdem ist der Japaner auch auf der Langstrecke ein angenehmes Fahrzeug. Wer reichlich Platz und viel Ausstattung zum ordentlichen Preis sucht, wird mit dem Tiida gut bedient. Und im Gegensatz zum Golf steht er garantiert nicht an jeder Straßenecke. (bmp/Foto: Nissan)



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