Ford Focus Basis: Immer schön langsam

Der Trend zur neuen Sparsamkeit in schlechten Zeiten lässt die Basis-Modelle der Hersteller in einem neuen Licht erscheinen. So gibt es einen Ford Focus nicht nur mit über 100 PS, sondern wie das Pendant Golf auch mit bescheidenen 80 PS. Die lehren den Fahrer Geduld, denn mit dem schwachrüstigen 1,4-Liter-Benziner wird der Focus träge. Rund 1,2 Tonnen Leergewicht treffen hier auf 124 Newtonmeter Drehmoment, so dass gerade mit mehreren Personen an Bord die Kasseler Berge wie die Alpen anmuten.

164 km/h soll der Focus theoretisch erreichen, er benötigt nur eine Menge Anlauf dafür. 14,1 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Wer flott vorankommen möchte, muss fleißig in der gut abgestuften Fünfgang-Schaltung rühren, an steileren Anstiegen auf der Autobahn auch mal den dritten Gang bemühen. Das verlockt zum hochtourigen Fahren und schlägt sich im Verbrauch nieder: 6,6 Liter auf 100 Kilometern sollen es theoretisch sein, der Testwagen konsumierte bei einer Fahrt von Hannover nach München knapp zehn Liter, allerdings mit drei Personen besetzt und mit reichlich Vollgasanteil. Normal bewegt verbraucht der 80 PS-Focus acht Liter, immer noch zu viel. Mit dem 100 PS-Motor erledigt der Kölner das Alles sehr viel souveräner, das sollten Käufer bedenken und erproben. Ab 15.250 Euro gibt es den Focus in der Ausstattung Ambiente. Wir empfehlen die nächst höhere Version Style, die 1500 Euro mehr kostet, mit dem 100 PS-Motor sind noch mal 1000 Euro mehr fällig.

Dafür hat der Focus kaum Schwächen: Mit dem Facelift setzen die Kölner nicht auf optische Revolution, sondern haben dem Kompakten vor allem eine deutlich bessere Innenraum-Anmutung verpasst. Und ein Fahrwerk, das wirklich Spaß bringt. Die verbreiterte Spur lässt den neuen Focus noch einmal satter auf der Straße stehen als den Vorgänger, das Kofferraumvolumen liegt bei 385 Liter - was den Klassenstandard leicht übertrifft. Bei umgelegten Rücksitzen stehen bis zu 1247 Liter zur Verfügung. Die Ladekante ist hoch, die Beladung also kein wirkliches Vergnügen. Auch die Zuladung fällt mit 430 Kilogramm eher niedrig aus.

Innen wirkt der Focus solide: Die rau genarbten Kunststoffe machen den Eindruck, als seien sie für die Ewigkeit gemacht. Die breite Mittelkonsole mit einem großen Bildschirm ist in mattes Aluminium eingefasst und hat reichlich Platz für handliche Knöpfe oder Tasten. Im Testwagen war zudem ein Navigationssystem samt Touchscreen an Bord, das sich sehr einfach und schnell bedienen lässt. Die Ausstattung ist ab der Version Style ziemlich komplett, auch an der Sicherheitsausstattung gibt es nichts zu bemängeln.

Das Paket stimmt also in der Ford-Kompaktklasse. Die Basis ist allerdings wirklich nur etwas für sehr gemütliche Naturen. Im stärkeren Focus werden die meisten Fahrer weniger verbrauchen, weil sie den Motor nicht ständig fordern müssen. Hier ist mehr tatsächlich mehr. (bmp/Foto: Ford)

 



zurück